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München / Haus der Deutschen Kunst/ 1940
München,
Haus der Deutschen Kunst,
(erbaut 1933–37 von Paul Ludwig Troost).

Außenansicht.

Foto, 1940.
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Hans Asemissen (1899 - 1963)
Amateurfotograf

... seine Kamera war immer dabei ...

Der Amateurfotograf Hans Asemissen (1899 - 1963) wohnte in Bielefeld in der Turnerstraße 17 ganz in der Nähe der Synagoge und sah am frühen Morgen des 10. November 1938, wie die Flammen aus der Kuppel schlugen. Assemissen wurde so zum Zeitzeugen. Sofort griff er zu seiner Leica-Kleinbildkamera, die für ihn immer präsent war, lief die ca 100 Meter zur Turnerstraße 5 und schoss diese einzigartigen Aufnahmen von der brennenden Synagoge.

Assemissen dokumentierte damit in seiner Heimatstadt das Novemberpogrom von 1938 - eine konzertierte Gewaltaktion von SS und SA, die sich gegen die jüdische Bevölkerung richtete; das war für ihn nicht ganz ungefährlich. In der Nacht vom 9. zum 10. November brannten in ganz Deutschland mehr als 1.400 Synagogen und wurden zerstört, ca. 7500 jüdische Geschäfte und Wohnhäuser wurden geplündert und verwüstet, jüdische Friedhöfe geschändet, mehr als 400 Juden ermordet und fast 30.000 Menschen verhaftet.

Die Gefahr, der sich Hans Asemissen in dem Moment aussetzte, muss ihm bewußt gewesen sein, denn erst durch seinen Sohn wurde der ungeschnittene Dia-Filmstreifen, der sich 1978 noch immer in der Originalverpackung, der Tüte der Foto-Drogerie Hergeröder in Bielefeld befand, entdeckt. Diese einzigartigen Zeitdokumente, die Farbaufnahmen von der brennenden Synagoge erlangten nach ihrer Veröffentlichung weltweit traurige Berühmtheit.

Hans Asemissen war von Beruf Kaufmann, hatte in den zwanziger Jahren für längere Zeit in den USA gelebt und gearbeitet. Schon dort entdeckte er seine Liebe zur Fotografie und es entstanden erste dokumentarische Schwarzweißfotografien.

1930 kehrte er in seine Heimat Ostwestfalen-Lippe zurück, begründete 1933 in Bielefeld sein eigenes Unternehmen, eine Großhandlung für Autoteile und Werkstattbedarf. Sein Leben lang hat ihn die Fotografie begleitet und technischen Neuerungen gegenüber war er immer aufgeschlossen. Asemissen setzte schon früh auf das Kleinbildformat und benutzte seit Mitte der 30er Jahre bereits Agfacolor-Filme. Es gab keine Familienfeier, keine Reise auf der er nicht fotografierte, die Kamera begleitet ihn überall hin.